Kreatives Schreiben
Eigene Geschichten, Gedichte und Welten mit Worten erschaffen.
Worum es geht
Eigene Geschichten, Gedichte und Welten mit Worten erschaffen. Damit zählt Kreatives Schreiben zu den beliebten Ideen im Bereich Wissen & Denken.
Kreatives Schreiben ist zuerst eine Übung im Aushalten. Der Anfang fällt leicht, weil eine Idee im Kopf immer besser aussieht als auf dem Papier. Schwierig wird die Stelle danach, an der ein Text weder gut noch fertig ist. Wer diese Stelle mehrmals durchquert hat, arbeitet anders als jemand, der nur Anfänge sammelt.
Im Alltag sieht das unspektakulär aus. Du sitzt, du streichst, du schreibst denselben Absatz zum vierten Mal. Dann gibt es Abende, an denen eine Figur etwas sagt, das du nicht geplant hattest, und der Text zieht dich weiter, als hätte er eigene Absichten. Solche Abende sind selten und tragen erstaunlich weit.
Fortschritt merkst du weniger am einzelnen Text als am eigenen Urteil. Nach einigen Monaten erkennst du im ersten Absatz, wo du am Leser vorbeischreibst, und streichst schneller, ohne dass es wehtut. Dass die eigenen älteren Sachen dir peinlich werden, ist dabei ein gutes Zeichen und kein Grund, aufzuhören.
Für wen es passt
Ob Kreatives Schreiben zu dir passt? Schau, ob das auf dich zutrifft:
- Für fantasievolle Menschen, die Gedanken und Gefühle in Sprache formen wollen.
Woran es scheitern könnte – eher nichts für dich, wenn …
Wer Selbstkritik und leere Seiten schlecht erträgt, braucht viel Durchhaltevermögen.
Steckbrief
Was es kostet
Nahe null. Ein Stift und ein Heft oder ein beliebiges Schreibprogramm reichen vollständig aus, und zu jedem kostenpflichtigen Programm gibt es eine kostenlose Alternative. Ausgaben entstehen erst durch Kurse und Werkstätten, und die sind ein Zusatz, kein Startkapital.
Praktisch keine. Papier, gelegentlich ein Buch über Aufbau und Erzähltechnik, vielleicht ein kleiner Beitrag für eine Schreibgruppe. Wer Texte an Wettbewerbe schickt, zahlt dort manchmal geringe Teilnahmegebühren.
Ein bezahltes Lektorat lohnt sich erst, wenn du allein nicht mehr weiterkommst. Davor bringt eine ehrliche Lesegruppe mehr und kostet außer Zeit nichts. Bibliotheken haben oft ganze Regale zum Handwerk, und Schreibaufgaben aus Büchern wirken genauso gut wie bezahlte.
So startest du
So kommst du in Kreatives Schreiben rein:
- Täglich zehn Minuten frei drauflosschreiben
- Kurzgeschichten oder Tagebucheinträge üben
- Einer Schreibgruppe für Feedback beitreten
Was du zum Einstieg brauchst
- Ein Heft oder eine schlichte SchreibumgebungFür den Rohtext. Je weniger Formatierungsmöglichkeiten sichtbar sind, desto seltener bastelst du an der Schrift statt am Satz.
- Eine IdeensammlungFür Sätze, Beobachtungen, Namen und halbe Szenen. Ideen kommen selten am Schreibtisch, und ohne Notiz sind sie am Abend wieder weg.
- Zwei oder drei ehrliche LeserMenschen, die dir sagen, an welcher Stelle sie ausgestiegen sind. Lob hilft der Laune, die Aussteigestelle hilft dem Text.
- Eine automatische SicherungEin zweiter Speicherort, um den du dich nicht kümmern musst. Der verlorene Text ist der einzige Verlust in diesem Hobby, der wirklich schmerzt.
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Typische Anfängerfehler
- Beim Schreiben schon überarbeiten. Wer jeden Satz sofort poliert, kommt nie ans Ende einer Szene und hält am Schluss eine Sammlung schöner Anfänge in der Hand.
- Auf Inspiration warten. Wer nur schreibt, wenn die Lust da ist, schreibt einige Male im Jahr; kurze feste Zeiten bringen dich weiter als der seltene gute Abend.
- Nur Menschen lesen lassen, die einen mögen. Wohlwollen ist angenehm und sagt nichts darüber aus, ob der Text bei Fremden trägt.
Wie schnell du vorankommst
Die ersten Seiten entstehen sofort, denn schreiben kann jeder. Der erste ernsthafte Einbruch kommt nach einigen Wochen, wenn der eigene Geschmack schneller wächst als das Können. Dieser Abstand ist normal und schließt sich nur über die Menge geschriebener Seiten. Nach ein bis zwei Jahren mit regelmäßiger Arbeit hörst du in deinen Texten eine erkennbare eigene Stimme.
Spielarten und Varianten
Kurzprosa
Geschichten, die an einem Wochenende fertig werden können. Zum Lernen ideal, weil du Anfang, Mitte und Ende oft genug durchläufst.
Lyrik
Wenige Zeilen bei hoher Dichte. Schult das Ohr für Rhythmus und Wortwahl wie kaum etwas anderes und braucht keine langen Zeitblöcke.
Lange Form
Roman oder Novelle. Hier zählen Ausdauer und ein grober Plan mehr als der einzelne gelungene Satz, und Monate ohne sichtbares Ergebnis gehören dazu.
Essay und persönliche Texte
Vom eigenen Erleben ausgehend denken und schreiben. Verlangt weniger Erfindung, dafür Mut zur Genauigkeit.
Wo du Anschluss findest
Schreibgruppen treffen sich an Volkshochschulen, in Bibliotheken und in freien Werkstätten, meist monatlich und häufig offen für Gäste. Größere Städte haben literarische Zentren mit Werkstattabenden und offenen Bühnen, auf denen kurze Texte vorgelesen werden. Im Netz existieren Foren mit gegenseitiger Textkritik, deren Wert stark von der Gruppe abhängt. Schau dir dort erst an, wie mit schwachen Texten umgegangen wird, bevor du einen eigenen einstellst.
Häufige Fragen zu Kreatives Schreiben
Muss man Talent mitbringen?
Was am Anfang wie Talent aussieht, ist meistens Lesen. Wer viel gelesen hat, hat ein Gefühl für Satzmelodie und Aufbau, ohne es benennen zu können. Der Rest ist Handwerk und lässt sich über Jahre nachholen, wenn man regelmäßig schreibt und sich Rückmeldung holt.
Woher nehme ich Ideen?
Ideen sind selten das Problem, das Ausarbeiten ist es. Nützlicher als das Warten auf einen Einfall ist eine laufende Notizsammlung aus Beobachtungen, Gesprächsfetzen und Fragen, die dich nicht loslassen. Aus zwei belanglosen Notizen entsteht nebeneinandergelegt oft eine tragfähige Szene.
Wie gehe ich mit harter Kritik um?
Trenne die Beobachtung vom Vorschlag. Wenn jemand sagt, an welcher Stelle er ausgestiegen ist, stimmt das fast immer; was er zur Reparatur vorschlägt, ist meist sein Text und nicht deiner. Sammle mehrere Rückmeldungen und ändere, was mehrfach genannt wird.
Sollte ich an Veröffentlichung denken?
Am Anfang eher nicht, weil der Blick auf den Markt das Schreiben verengt. Kleine Ziele wie ein Wettbewerb, eine Lesebühne oder eine Zeitschrift sind trotzdem nützlich, weil sie Fristen setzen. Alles Weitere kann warten, bis mehrere fertige Texte vorliegen.
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