Klettersteig gehen
Über Eisenleitern und Stahlseile gesichert steile Felswände erklimmen – Bergerlebnis zwischen Wandern und Klettern.
Worum es geht
Kurz gesagt: Über Eisenleitern und Stahlseile gesichert steile Felswände erklimmen – Bergerlebnis zwischen Wandern und Klettern. Als Hobby aus dem Bereich Outdoor & Natur lässt es sich gut in den Alltag einbauen.
Ein Klettersteig ist eine Route durch steilen Fels, die mit einem durchgehenden Stahlseil, Eisenstiften und Leitern gesichert ist. Du hängst dich mit einem Klettersteigset ins Seil und steigst nach oben. Klettertechnik brauchst du kaum, dafür Armkraft, Trittsicherheit und die Bereitschaft, über einer erheblichen Leere zu stehen.
Das Set ist die einzige Sicherung, und es wirkt nur, wenn du es beherrschst. Dazu gehört, immer mit mindestens einem Karabiner im Seil zu bleiben, an jedem Zwischenanker sauber umzuhängen und das vom Hersteller angegebene Gewichtsfenster einzuhalten. Diese Handgriffe lernt man im Kurs oder von jemandem mit echter Erfahrung.
Unterschätzt wird meist nicht die Schwierigkeit, sondern die Länge. Viele Steige verlangen mehrere Stunden Dauerbelastung, dazu kommen Zustieg und Abstieg. Wer auf halber Höhe merkt, dass die Kraft nicht reicht, hat ein Problem, denn nach unten geht es an vielen Stellen deutlich schlechter als weiter nach oben.
Für wen es passt
Besonders gut passt es zu dir, wenn du dich hier wiederfindest:
- Für trittsichere, schwindelfreie Bergfreunde, die Ausdauer mitbringen und den Blick von ausgesetzten Wänden genießen.
Und ehrlich gesagt: eher nichts für dich, wenn …
Wer unter Höhenangst leidet, wenig Kondition hat oder das Wetterrisiko im hochalpinen Gelände unterschätzt.
Steckbrief
Was es kostet
Klettersteigset, Gurt und Helm liegen zusammen im unteren bis mittleren dreistelligen Bereich. Dazu kommen feste Schuhe und Handschuhe. Alpine Vereine und Bergsportgeschäfte verleihen komplette Sets tageweise, was für die ersten Versuche die vernünftigere Lösung ist.
Gering. Sets, Gurte und Helme haben allerdings eine vom Hersteller begrenzte Lebensdauer und müssen nach einem Sturz oder nach deren Ablauf ersetzt werden. Ansonsten fallen Anfahrten, Bergbahnen und gelegentlich Hüttenübernachtungen an.
Leih das Set für die ersten Touren. Erst danach weißt du, ob dir diese Bewegungsform überhaupt liegt, denn viele merken nach zwei Steigen, dass ihnen Klettern oder Bergwandern näher liegt. Gebrauchte Sets sind dagegen ein schlechter Kauf, weil du Alter und Sturzgeschichte nicht kennst.
So startest du
So startest du am besten:
- Ein Klettersteigset mit Helm und Gurt anschaffen oder ausleihen
- Eine geführte Klettersteig-Tour für Einsteiger buchen
- Mit leichten Steigen der Stufe A oder B beginnen und langsam steigern
Was du zum Einstieg brauchst
- Klettersteigset mit BandfalldämpferDie einzige echte Sicherung. Es muss zum Körpergewicht passen, denn sehr leichte und sehr schwere Personen fallen aus dem Bereich, für den es geprüft wurde.
- KlettergurtVerbindet dich mit dem Set. Ein Hüftgurt genügt den meisten, für Kinder und schwere Rucksäcke ist ein zusätzlicher Brustgurt sinnvoll.
- HelmSteinschlag ist auf Klettersteigen die häufigste Verletzungsursache, oft ausgelöst von Leuten weiter oben. Der Helm bleibt vom Einstieg bis zum Ausstieg auf.
- HandschuheDas Stahlseil hat Drahtbrüche und wird über Stunden unangenehm. Halbfingerhandschuhe sind der übliche Kompromiss aus Schutz und Gefühl.
- Feste Schuhe mit steifer SohleDu stehst viel auf schmalen Eisenstiften und kleinen Kanten. Weiche Turnschuhe machen daraus eine Quälerei für die Füße.
Typische Anfängerfehler
- Beide Karabiner gleichzeitig aushängen. Genau in diesem Moment bist du ungesichert, und das ist die Ursache der schwersten Klettersteigunfälle. Umgehängt wird immer nacheinander.
- Einen zu schweren Steig als ersten wählen. Die Skalen reichen weit hinauf, und eine Route zwei Stufen über dem eigenen Niveau lässt sich auf halber Strecke nicht mehr verlassen.
- Bei Gewittergefahr einsteigen. Ein Klettersteig ist eine durchgehende Stahlkonstruktion in exponiertem Gelände, und der Ausstieg dauert oft Stunden. Die Wetterentscheidung fällt unten und nicht in der Wand.
Wie schnell du vorankommst
Ein leichter Steig ist für konditionell fitte Wanderer nach kurzer Einweisung machbar, und das Umhängen sitzt meist nach den ersten Metern. Länger dauern Kraftausdauer in den Unterarmen und die Gelassenheit in ausgesetzten Passagen. Nach einer Saison mit mehreren Touren schätzt du realistisch ein, welcher Schwierigkeitsgrad zu dir passt.
Spielarten und Varianten
Leichte Steige mit Sicherungsseil
Bergwandern mit gesicherten Passagen, kurze Zustiege, oft auch mit Kindern machbar. Der richtige Anfang.
Sportklettersteige
Steil, athletisch, häufig künstlich angelegt und nah am Tal. Kraftbetont und gut zum Üben, weil der alpine Rahmen wegfällt.
Alpine Klettersteige
Lange Zustiege, Restschnee, Wetterrisiko und Abstiege über Geröll. Hier zählt Bergerfahrung mehr als der reine Schwierigkeitsgrad.
Klettersteige mit Kindern
Möglich ab ausreichender Körpergröße, mit passendem Set und zusätzlicher Sicherung am Kurzseil. Verlangt echte Erfahrung der Begleitperson.
Wo du Anschluss findest
Klettersteige sind in den Alpen dicht verteilt, es gibt sie aber auch in mehreren Mittelgebirgen. Alpine Vereine und Bergschulen bieten Einführungskurse an und verleihen Sets, oft im selben Haus. Für die Auswahl der ersten Tour helfen Führerliteratur und Portale mit Schwierigkeitsangaben, wobei du bei fremden Einschätzungen lieber eine Stufe Sicherheitsabstand einplanst.
Häufige Fragen zu Klettersteig gehen
Brauche ich einen Kurs?
Dringend zu empfehlen, und für alles jenseits leichter Steige praktisch unverzichtbar. Im Kurs lernst du Umhängen, Sicherung am Standplatz, Partnersicherung mit Kurzseil und den Rückzug. Alpine Vereine und Bergschulen bieten das als Tages- oder Wochenendkurs an.
Wie fit muss ich sein?
Ausdauernd genug für mehrere Stunden Aufstieg plus Kletterpassagen. Entscheidend sind Kraftausdauer in den Armen und Griffkraft, weil man sich häufiger am Seil hält als gedacht. Eine ehrliche Selbsteinschätzung zählt hier mehr als Ehrgeiz.
Hilft das Set bei einem Sturz wirklich?
Ja, dafür ist es gebaut: Der Bandfalldämpfer reißt kontrolliert auf und begrenzt die auftretenden Kräfte. Ein Sturz im Klettersteig bleibt trotzdem unangenehm, weil du an Stiften und Fels entlangschlägst, und deshalb gilt weiterhin, dass man dort nicht stürzen sollte.
Bin ich mit Höhenangst chancenlos?
Nicht unbedingt. Viele Menschen kommen mit gesicherten Steigen besser zurecht als mit ungesichertem Gelände, weil die Verbindung zum Seil beruhigt. Fang mit einer kurzen, wenig ausgesetzten Route an und geh mit jemandem, der Erfahrung hat.
Wann ist die Saison?
In tieferen Lagen oft vom Frühjahr bis in den Herbst, in hochalpinem Gelände deutlich kürzer. Restschnee, Nässe und Vereisung machen aus einem leichten Steig eine ernste Angelegenheit. Verhältnisberichte der Hütten und Sektionen sind die verlässlichste Quelle.
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