Worum es geht
Vorlesepate gehört zum Bereich Sozial & Ehrenamt. Kindern in Kitas, Schulen oder Bibliotheken regelmäßig vorlesen.
Vorlesen klingt nach einer kleinen Sache und ist in der Wirkung eine große. Du kommst regelmäßig in eine Kita, eine Schule oder eine Bibliothek, setzt dich mit einer Handvoll Kinder hin und liest. Eine halbe Stunde, meist wöchentlich, oft über ein ganzes Schuljahr hinweg.
Gut wird es weniger durch schauspielerische Leistung als durch Ruhe. Kinder steigen ein, wenn jemand langsam liest, Pausen aushält und auf Zwischenfragen eingeht, statt sie wegzuwischen. Manche hören zu und schauen weg, manche wollen jede Seite kommentieren, und ein Kind steht nach fünf Minuten auf und geht. Das gehört dazu und ist kein Urteil über die Geschichte, die du ausgesucht hast.
Deutlich merkst du die Unterschiede zwischen den Kindern. Manche kennen zu Hause kaum Bücher, andere lesen längst selbst. Genau dafür gibt es dieses Ehrenamt: Es geht nicht um Förderdruck, sondern darum, dass Zuhören und Geschichten normal werden. Für die Arbeit mit Kindern verlangen Träger üblicherweise ein erweitertes Führungszeugnis.
Für wen es passt
Für diese Menschen ist Vorlesepate wie gemacht:
- Für warmherzige Menschen, die Freude an Büchern und am Umgang mit Kindern haben.
Ehrlich gesagt eher nichts für dich, wenn …
Wer sich beim lebendigen Vorlesen unwohl fühlt, sollte etwas anderes suchen.
Steckbrief
Was es kostet
Keine nennenswerten. Bücher stellen Einrichtung oder Bibliothek, und das erweiterte Führungszeugnis wird für ehrenamtliche Tätigkeit gegen eine Bestätigung des Trägers in der Regel gebührenfrei ausgestellt.
Fahrten zur Einrichtung, sonst kaum etwas. Wer eigene Bücher mitbringen möchte, findet in Bibliotheken und auf Flohmärkten reichlich Auswahl, ohne etwas anzuschaffen.
Nutze den Bestand der Stadtbibliothek und lass dich dort beraten, was in welchem Alter funktioniert. Viele Bibliotheken stellen Vorlesepaten Medien zusammen und verleihen sie mit längerer Frist. Kaufen musst du dafür nichts.
So startest du
Die ersten Schritte sind schnell gemacht:
- Eine Einrichtung wie Bibliothek oder Kita ansprechen
- Kinderbücher zum Vorlesen auswählen
- Betontes, lebendiges Vorlesen üben
Was du zum Einstieg brauchst
- Zwei, drei erprobte Bücher zur AuswahlNicht jede Geschichte trifft die Stimmung der Gruppe. Wer eine Alternative dabeihat, kann wechseln, statt eine halbe Stunde gegen Unruhe anzulesen.
- Ein Buch mit großen BildernBilder halten jüngere Kinder im Geschehen und geben Gesprächsanlässe. Beim Vorlesen im Halbkreis ist das Format wichtiger als die Handlung.
- Eine WasserflascheEine halbe Stunde lautes, deutliches Lesen trocknet die Stimme aus, besonders in geheizten Räumen. Klingt banal, merkt man beim dritten Termin.
- Absprache mit der Fachkraft vor OrtWer die Gruppe kennt, sagt dir, welches Kind gerade unruhig ist und was zuletzt gelesen wurde. Fünf Minuten vorher ersparen dir viel Suchen.
Typische Anfängerfehler
- Zu schnell lesen. Fast alle sind anfangs zu zügig; wer bewusst langsamer wird und nach einem Satz kurz wartet, hat sofort mehr Aufmerksamkeit im Raum.
- Auf einem Buch bestehen, das nicht ankommt. Wenn eine Geschichte nicht trägt, ist das keine Frage der Disziplin der Kinder, sondern der Auswahl, und ein Wechsel rettet die Stunde.
- Termine ausfallen lassen, weil es ja nur eine halbe Stunde ist. Für die Kinder ist der feste Vorlesetag ein Fixpunkt der Woche, und die Einrichtung hat den Nachmittag darum herum geplant.
Wie schnell du vorankommst
Loslegen kannst du am ersten Tag; wer schon einmal Kindern vorgelesen hat, bringt fast alles mit. Nach ein paar Terminen weißt du, wie lange eine Gruppe wirklich still sitzen kann und wann du eine Pause einbaust. Die Auswahl passender Bücher ist der Teil, der am längsten braucht. Viele Einrichtungen und Bibliotheken bieten kurze Schulungen zum Vorlesen an, die spürbar helfen.
Spielarten und Varianten
Kita und Vorschulgruppe
Kleine Gruppen, Bilderbücher, viel Bewegung im Raum. Kurze Einheiten, dafür sehr unmittelbare Reaktionen.
Grundschule und Ganztag
Feste Zeiten im Schulalltag, oft in Kleingruppen. Hier lässt sich auch mit Kindern arbeiten, die selbst lesen üben und dafür einen geduldigen Zuhörer brauchen.
Bibliothek und offene Vorlesestunde
Wechselndes Publikum, Kinder kommen mit Eltern. Weniger Bindung, dafür kein Druck, jede Woche dieselbe Gruppe zu halten.
Vorlesen in Einrichtungen für Erwachsene
In Pflegeheimen und Tagespflegen ist Vorlesen ebenfalls gefragt, mit anderem Repertoire: Kurzgeschichten, Gedichte, Zeitungsartikel von früher.
Wo du Anschluss findest
Kitas, Grundschulen und Horte nehmen Anfragen meist direkt entgegen, ein Anruf in der Leitung genügt. Stadtbibliotheken koordinieren vielerorts Vorlesepatenschaften mit und bieten Einführungen an. Bundesweite Leseinitiativen vermitteln in Einrichtungen und stellen Material bereit. Auch Familienzentren, Mehrgenerationenhäuser und Geflüchtetenunterkünfte suchen Menschen, die regelmäßig zum Vorlesen kommen.
Häufige Fragen zu Vorlesepate
Muss ich besonders gut vorlesen können?
Nein, keine Bühnenreife. Deutlich sprechen, langsam bleiben, Pausen machen und Blickkontakt halten genügt völlig. Übertriebene Stimmen sind weniger wichtig als ein ruhiger Rhythmus, dem Kinder folgen können.
Brauche ich ein Führungszeugnis?
Bei regelmäßiger Tätigkeit mit Kindern über eine Einrichtung ja; das erweiterte Führungszeugnis ist der übliche Standard. Der Träger stellt dir die Bestätigung aus, mit der die Meldebehörde es für ehrenamtliche Zwecke in der Regel gebührenfrei erteilt.
Wie groß sollte die Gruppe sein?
Klein. Bei mehr als einer Handvoll Kindern wird aus Vorlesen schnell Beaufsichtigen. Sprich das mit der Einrichtung ab, denn die Gruppengröße entscheidet mehr über den Erfolg als die Buchauswahl.
Was mache ich, wenn Kinder ständig dazwischenreden?
Zwischenfragen sind ein gutes Zeichen und kein Störfall. Kurz eingehen, dann weiterlesen. Bei durchgehender Unruhe hilft oft, das Buch zu wechseln, die Runde zu verkleinern oder eine Bewegungspause einzuschieben.
Kann ich das machen, wenn ich berufstätig bin?
Häufig schwierig, weil Kitas und Schulen vormittags und am frühen Nachmittag lesen. Bibliotheken und Familienzentren bieten dagegen Termine am späten Nachmittag oder samstags an, und dort ist der Bedarf ebenfalls da.
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