Worum es geht
Im Bereich Kreativ zu Hause: Motive in Linolplatten schneiden und als Handdrucke immer wieder abziehen.
Beim Linoldruck schneidest du ein Motiv in eine weiche Platte und druckst es anschließend ab. Der entscheidende Punkt ist das Denken in Negativ: Alles, was du wegschneidest, bleibt weiß, alles Stehengebliebene nimmt Farbe an. Diese Umkehrung ist die eigentliche Hürde und braucht bei fast allen ein paar Anläufe.
Dazu kommt, dass der Druck seitenverkehrt erscheint. Schrift muss deshalb spiegelbildlich geschnitten werden, und wer das vergisst, merkt es erst beim ersten Abzug. Genau solche Eigenheiten machen das Verfahren aber auch reizvoll, weil sie zu klaren, reduzierten Motiven zwingen. Feine Schattierungen sind kaum möglich, kräftige Formen dafür umso mehr.
Der schöne Teil kommt am Ende: Eine geschnittene Platte druckst du beliebig oft. Aus einem Nachmittag Schneidearbeit werden Karten für ein Jahr, ein Stoffbeutel oder eine kleine Auflage, die überall gleich aussieht und trotzdem von Hand gemacht ist. Diesen Moment, in dem man das Papier abhebt, beschreiben viele als den eigentlichen Grund, dabeizubleiben. Auch nach dem zwanzigsten Abzug wird er nicht langweilig.
Für wen es passt
Das spricht dafür, dass Linoldruck zu dir passt:
- Für Menschen, die kraftvolle Grafik mögen und Freude an handwerklichem Schnitzen haben.
Wann du lieber die Finger davon lässt – eher nichts für dich, wenn …
Wer sich vor scharfen Schneidewerkzeugen und etwas Fingerspitzengefühl scheut, sollte vorsichtig sein.
Steckbrief
Was es kostet
Niedrig. Ein Set aus Platte, einem Griff mit auswechselbaren Klingen, einer kleinen Walze und einer Tube Farbe liegt im unteren zweistelligen Bereich. Papier hast du meist im Haus, und eine Glasscheibe zum Ausrollen findet sich in jedem alten Bilderrahmen.
Platten, Farbe und Papier. Eine Tube Farbe reicht für sehr viele Drucke, Platten sind der eigentliche Verbrauch. Klingen werden stumpf und müssen ersetzt werden, was wenig kostet und trotzdem gern zu lange aufgeschoben wird.
Du brauchst keine Druckpresse. Ein Löffelrücken oder ein Falzbein reicht vollkommen, um den Abzug von Hand abzureiben, und viele arbeiten jahrelang so. Wer Motive üben will, nimmt zudem weichere und günstigere Schnittplatten statt echtem Linoleum, denn zum Lernen zählt die Menge der Versuche.
So startest du
Dein Einstieg in drei Schritten:
- Ein Linol-Starterset mit Platte, Messern und Farbe kaufen
- Ein einfaches Motiv aufzeichnen und ausschneiden
- Mit Farbe und Papier den ersten Abzug drucken
Was du zum Einstieg brauchst
- Linolplatte oder weiches SchnittmaterialEchtes Linoleum ist zäh und hält viele Abzüge aus, weiche Kunststoffplatten schneiden sich leichter. Für die ersten Motive ist das weichere Material deutlich freundlicher.
- Schneidewerkzeug mit auswechselbaren KlingenEin Griff mit U- und V-förmigen Eisen deckt Flächen und Linien ab. Stumpfe Klingen sind gefährlicher als scharfe, weil man dann stärker drückt und leichter abrutscht.
- Eine Farbwalze und eine glatte AuftragflächeFarbe wird erst auf Glas oder Kunststoff dünn ausgerollt und dann auf die Platte übertragen. Direkt aufgetragene Farbe verstopft jede feine Linie.
- Druckfarbe auf WasserbasisLässt sich mit Wasser und Seife reinigen und ist am Küchentisch unproblematisch. Farben auf Ölbasis decken kräftiger, brauchen aber Lösungsmittel zum Säubern und gute Lüftung.
- Ein Rutschschutz für die PlatteEin Bankhaken, ein Gumminoppenbrett oder eine Leiste an der Tischkante. Eine Platte, die wegrutscht, ist die häufigste Ursache für Schnittverletzungen.
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Typische Anfängerfehler
- Zum Körper hin schneiden und die Halthand vor dem Werkzeug lassen. Linolschnitteisen rutschen bei Widerstand ab, und die Verletzungen gehen tief. Immer vom Körper weg arbeiten und die Platte einspannen oder gegen eine Leiste stemmen.
- Zu feine Details anlegen. Schmale stehengebliebene Stege brechen beim Drucken weg, und das Motiv verliert genau die Stellen, an denen die meiste Arbeit steckte.
- Zu viel Farbe auftragen. Die Linien laufen zu, der Druck wirkt matschig, und der Fehler wird meist beim Schnitt gesucht statt bei der Walze.
Wie schnell du vorankommst
Ein erster einfacher Abzug entsteht am selben Nachmittag. Sauberes Schneiden ohne Ausrutscher braucht einige Platten Übung, und das Denken in Negativ sitzt bei den meisten nach dem dritten oder vierten Motiv. Gleichmäßige Farbgebung über eine ganze Auflage ist die nächste Stufe. Mehrfarbige Arbeiten mit exakt passenden Ebenen sind ein eigenes Kapitel und verlangen ein durchdachtes Anlegesystem.
Spielarten und Varianten
Einfarbiger Druck
Eine Platte, eine Farbe, beliebig viele Abzüge. Der Einstieg, mit dem sich Karten, Plakate und Buchseiten gestalten lassen.
Mehrere Platten
Für jede Farbe eine eigene Platte, die passgenau übereinander gedruckt wird. Verlangt ein sauberes Anlegesystem, erlaubt dafür Korrekturen an einzelnen Farben.
Verlorener Schnitt
Eine einzige Platte wird zwischen den Farbdurchgängen weiter weggeschnitten. Die Auflage muss vorher feststehen, denn am Ende existiert die Platte nicht mehr in druckbarer Form.
Druck auf Stoff
Mit geeigneter Textilfarbe auf Beutel, Shirts und Kissen. Nach dem Fixieren waschbar und ein naheliegender Weg, gedruckte Motive in den Alltag zu bringen.
Wo du Anschluss findest
Offene Druckwerkstätten vermieten Pressen und Arbeitsplätze stundenweise und beraten bei Papier und Farbe. Kurse zum Hochdruck führen Volkshochschulen und Kunstschulen, meist über ein Wochenende. Künstlerbedarf und gut sortierte Bastelläden führen Platten und Schneidewerkzeug zum Anfassen, was bei der Wahl der Eisen hilft. Im Netz gibt es ausführliche Videoreihen, in denen Schnittführung und Farbauftrag gut zu sehen sind.
Häufige Fragen zu Linoldruck
Brauche ich eine Druckpresse?
Nein. Für die üblichen Formate reicht Abreiben von Hand mit einem Löffel oder Falzbein völlig aus. Eine Presse wird erst bei großen Formaten und langen Auflagen interessant, und dafür gibt es Druckwerkstätten mit Stundenmiete.
Wie bekomme ich Schrift richtig herum?
Indem du sie spiegelverkehrt in die Platte schneidest. Am einfachsten überträgst du das Motiv gespiegelt, etwa über ein durchgepaustes Blatt, das du umgedreht auflegst. Diesen Schritt übersieht fast jeder genau einmal.
Wie viele Drucke schafft eine Platte?
Echtes Linoleum hält viele Dutzend bis Hunderte Abzüge aus, weiche Kunststoffplatten deutlich weniger, weil sich Kanten mit der Zeit abrunden. Für den Hausgebrauch spielt diese Grenze selten eine Rolle.
Wie gefährlich sind die Schneideisen?
Sie sind sehr scharf, und Schnitte in die Halthand sind die typische Verletzung. Mit einem Rutschschutz, konsequent vom Körper weg gerichtetem Schnitt und scharfen Klingen lässt sich das Risiko stark senken. Ein Schnittschutzhandschuh an der Halthand ist eine sinnvolle Ergänzung.
Kann ich das am Küchentisch machen?
Ja, mit Farbe auf Wasserbasis. Abdeckung auf den Tisch, ein Lappen daneben, und die Reinigung dauert wenige Minuten. Nur beim Schneiden fallen kleine Späne an, die sich gut aufsammeln lassen.
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