Worum es geht
Kerzen gießen gehört zum Bereich Kreativ. Aus Wachs, Duft und Farbe eigene Kerzen in vielen Formen gießen.
Kerzen zu gießen sieht einfacher aus, als es ist. Wachs schmelzen, Docht einsetzen, eingießen, abkühlen lassen: Das ist der ganze Ablauf, und trotzdem entscheidet ein einziger Faktor über Erfolg oder Ärger, nämlich das Verhältnis von Dochtstärke zu Gefäßdurchmesser und Wachssorte.
Stimmt dieses Verhältnis nicht, brennt die Kerze in einen schmalen Kanal hinein und lässt einen Ring Wachs stehen, oder sie rußt und flackert. Deshalb ist das eigentliche Handwerk hier nicht das Gießen, sondern das geduldige Ausprobieren mehrerer Dochtstärken in derselben Form. Genau diesen Schritt überspringen die meisten und wundern sich anschließend über eine Kerze, die aussieht wie gekauft und brennt wie nichts.
Dafür ist der Rest angenehm überschaubar. Ein Abend reicht für mehrere Kerzen, das Ergebnis ist sofort benutzbar, und Duft und Farbe lassen sich frei zusammenstellen. Wer gern experimentiert und Ordnung beim Umgang mit Hitze hält, hat hier ein Hobby mit schnellen Ergebnissen und einem Vorrat an Geschenken, die tatsächlich verbraucht werden. Platz braucht es dafür nur für einen Abend am Küchentisch.
Für wen es passt
Für diese Menschen ist Kerzen gießen wie gemacht:
- Für Gemütlichkeitsliebende, die gern experimentieren und ihr Zuhause verschönern.
Ehrlich gesagt eher nichts für dich, wenn …
Wer heißes Wachs und etwas Chaos beim Ausprobieren scheut, sollte es lassen.
Steckbrief
Was es kostet
Niedrig bis mittel. Ein Starterset mit Wachs, verschiedenen Dochten, ein paar Gläsern und einem Schmelzgefäß liegt im unteren zweistelligen Bereich. Ein Thermometer kommt dazu und ist der einzige Gegenstand, an dem sich Sparen nicht lohnt.
Wachs und Dochte sind günstig, gerechnet auf die einzelne Kerze. Der auffällige Posten sind Duftöle, die pro Fläschchen deutlich mehr kosten als das Wachs für mehrere Kerzen. Gefäße lassen sich mehrfach verwenden, wenn du sie ausschmilzt.
Teste Dochte in kleinen Gläsern, nicht in großen Formen. Ein misslungener Versuch kostet dann wenige Gramm Wachs statt einer ganzen Ladung. Reste alter Kerzen lassen sich einschmelzen, allerdings nur sortenrein und ohne alte Dochtstücke, sonst brennt die neue Kerze unberechenbar.
So startest du
Die ersten Schritte sind schnell gemacht:
- Ein Kerzen-Starterset mit Wachs, Dochten und Formen kaufen
- Eine einfache Behälterkerze gießen
- Mit Duft- und Farbzugabe experimentieren
Was du zum Einstieg brauchst
- Wachs in einer SortePflanzliche Wachse, Bienenwachs und Paraffin verhalten sich beim Schmelzen und Brennen unterschiedlich. Bleib zu Beginn bei einer Sorte, sonst lässt sich kein Ergebnis auf die Ursache zurückführen.
- Dochte in mehreren StärkenDer wichtigste und billigste Posten überhaupt. Ohne Auswahl kannst du das Verhältnis zum Gefäßdurchmesser nicht einstellen, und genau daran scheitern die meisten ersten Kerzen.
- Ein Schmelzgefäß für das WasserbadWachs gehört nie direkt auf die heiße Platte, weil es sich bei zu hoher Temperatur entzünden kann. Ein Gefäß im Wasserbad hält die Temperatur zuverlässig unter der kritischen Grenze.
- Ein ThermometerDuftöl verfliegt, wenn es zu heiß eingerührt wird, und zu warm gegossenes Wachs bekommt Risse und Löcher. Ohne Messung bleibt beides Zufall.
- Hitzefeste Gefäße oder FormenGläser müssen dickwandig und für Wärme geeignet sein. Dünnwandige Trinkgläser können beim Brennen springen und sind für Kerzen nicht gedacht.
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Typische Anfängerfehler
- Den Docht zu dünn wählen. Die Kerze brennt dann nur in der Mitte nach unten und lässt außen einen dicken Wachsrand stehen, der sich später nicht mehr einholen lässt.
- Zu heiß gießen oder zu schnell abkühlen. Beides erzeugt Risse, Krater um den Docht und eine unebene Oberfläche, die viele fälschlich für einen Materialfehler halten.
- Wachs direkt auf der Herdplatte erhitzen. Über einer bestimmten Temperatur entzündet es sich selbst, und ein Wachsbrand darf keinesfalls mit Wasser gelöscht werden, weil das Wachs schlagartig verspritzt.
Wie schnell du vorankommst
Die erste Kerze entsteht innerhalb einer Stunde und brennt meistens auch. Ob sie gut brennt, zeigt sich erst über mehrere Stunden Abbrand, und deshalb dauert die eigentliche Lernschleife Wochen statt Minuten. Nach einigen Durchgängen kennst du die passende Dochtstärke für deine Gefäße und Wachssorte. Ab da wird es entspannt, und der Rest ist Gestaltung mit Farbe, Duft und Form.
Spielarten und Varianten
Kerzen im Gefäß
Wachs wird direkt in Glas oder Dose gegossen. Der einfachste Einstieg, weil nichts entformt werden muss und kleine Unebenheiten unsichtbar bleiben.
Kerzen in Formen
Stumpen, Kugeln und figürliche Formen aus Silikon oder Metall. Verlangt saubere Oberflächen und ein Wachs, das sich beim Abkühlen leicht zusammenzieht.
Gezogene Kerzen
Der Docht wird viele Male in flüssiges Wachs getaucht, bis die Kerze dick genug ist. Zeitaufwendig und ruhig, ein traditionelles Verfahren ohne jede Form.
Gerollte Bienenwachsplatten
Ganz ohne Schmelzen und Hitze: Platte anwärmen, Docht einlegen, aufrollen. Gut für Kinder und für einen ersten Nachmittag.
Wo du Anschluss findest
Bastelläden führen Startersets, und die dortigen Beratungen sind für die erste Dochtwahl hilfreich. Spezialisierte Onlinehändler bieten Wachs, Dochte und Duftöle mit Datenblättern an, in denen Verarbeitungstemperaturen stehen. Kerzenkurse legen Volkshochschulen gern in die Wochen vor Weihnachten. Bienenwachs bekommst du direkt bei Imkereien, häufig günstiger und in besserer Qualität als im Handel.
Häufige Fragen zu Kerzen gießen
Welches Wachs soll ich nehmen?
Pflanzliche Wachse sind für Gefäßkerzen beliebt, weil sie bei niedriger Temperatur verarbeitet werden und Duft gut halten. Bienenwachs riecht von selbst und brennt lange, ist aber teurer. Paraffin ist günstig und formstabil. Für den Anfang zählt vor allem, bei einer Sorte zu bleiben.
Warum brennt meine Kerze nur in der Mitte?
Der Docht ist zu dünn für den Durchmesser des Gefäßes. Als Sofortmaßnahme hilft, die Kerze beim ersten Anzünden so lange brennen zu lassen, bis die Oberfläche vollständig flüssig ist, denn dieser erste Abbrand prägt alle folgenden. Dauerhaft löst nur ein stärkerer Docht das Problem.
Wie viel Duftöl darf ich zugeben?
Die Hersteller geben je Wachs eine Höchstmenge an, und die hat einen Grund: Zu viel Duftöl setzt sich ab, tritt später aus und kann die Flamme unruhig machen. Eingerührt wird bei der vom Hersteller genannten Temperatur, sonst verfliegt der Duft sofort.
Wie gefährlich ist das Gießen?
Heißes Wachs verursacht ernsthafte Verbrennungen und ist bei hoher Temperatur brennbar. Mit Wasserbad, Thermometer und einem Deckel in Reichweite bleibt das gut beherrschbar. Wichtig ist zu wissen, dass ein Wachsbrand niemals mit Wasser gelöscht wird, sondern durch Ersticken.
Darf ich selbstgemachte Kerzen verkaufen?
Sobald Kerzen in Verkehr gebracht werden, gelten Produktsicherheits- und Kennzeichnungsvorgaben, und bei Duftstoffen kommen weitere Regeln hinzu. Für den Eigenbedarf und für Geschenke im Bekanntenkreis spielt das keine Rolle. Wer verkaufen möchte, sollte sich vorher gründlich informieren.
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