Hospizbegleitung
Schwerkranke und sterbende Menschen sowie ihre Angehörigen einfühlsam begleiten.
Worum es geht
Schwerkranke und sterbende Menschen sowie ihre Angehörigen einfühlsam begleiten. Damit zählt Hospizbegleitung zu den beliebten Ideen im Bereich Sozial & Ehrenamt.
Hospizbegleitung heißt, Zeit mit Menschen zu verbringen, deren Erkrankung nicht mehr heilbar ist – zu Hause, im Pflegeheim oder auf einer Station. Pflegerische Aufgaben gehören ausdrücklich nicht dazu. Du sitzt am Bett, liest vor, hörst zu, gehst mit der Tochter eine Runde vor die Tür, damit sie eine Stunde nicht zuständig ist.
Die meisten Besuche sind unspektakulär. Es wird über das Wetter geredet, über Enkel, über das Essen, oft auch gar nicht. Manche wollen erzählen, wie sie gelebt haben, andere möchten einfach jemanden im Raum haben und dabei schlafen. Antworten auf die großen Fragen musst du nicht mitbringen; erwartet wird, dass du bleibst, wenn keine kommen.
Die Arbeit ist anstrengend, und das gehört zur Wahrheit dazu. Du begleitest Menschen, die sterben, manchmal über Monate, manchmal nur wenige Tage, und abwenden kannst du davon nichts. Deshalb steht am Anfang ein Vorbereitungskurs, deshalb gibt es Supervision, und deshalb entscheidet der Dienst gemeinsam mit dir, welche Begleitung passt.
Für wen es passt
Ob Hospizbegleitung zu dir passt? Schau, ob das auf dich zutrifft:
- Für sehr gefestigte, empathische Menschen, die Nähe in schweren Zeiten schenken wollen.
Woran es scheitern könnte – eher nichts für dich, wenn …
Wer sich der Auseinandersetzung mit Sterben und Trauer nicht gewachsen fühlt, sollte warten.
Steckbrief
Was es kostet
Für dich in der Regel keine. Ambulante Hospizdienste bieten den vorbereitenden Kurs für künftige Ehrenamtliche üblicherweise kostenfrei an, weil er Voraussetzung für den Einsatz ist. Investieren musst du vor allem Zeit, denn der Kurs erstreckt sich über mehrere Monate.
Fahrten zu den Besuchen, zu Treffen der Gruppe und zur Supervision. Viele Dienste erstatten Fahrtkosten auf Antrag. Weitere Ausgaben entstehen nicht, denn Material wird von der Einrichtung gestellt.
Hier geht es nicht ums Sparen. Der Punkt, an dem du sparsam sein solltest, ist deine eigene Belastung: Begleitungen annehmen, die zu deinem Alltag passen, statt aus Pflichtgefühl zuzusagen. Fortbildungen der Dienste sind für Ehrenamtliche meist kostenfrei.
So startest du
So kommst du in Hospizbegleitung rein:
- Einen Hospizdienst kontaktieren und beraten lassen
- Den vorbereitenden Befähigungskurs absolvieren
- Behutsam mit Begleitung in erste Einsätze starten
Was du zum Einstieg brauchst
- Ein abgeschlossener VorbereitungskursDie eigentliche Voraussetzung. Er behandelt Gesprächsführung, Sterbeprozesse, Trauer, Schweigepflicht und die eigenen Grenzen und dient auch dazu, ehrlich zu prüfen, ob die Aufgabe zu dir passt.
- Ein fester Ansprechpartner beim DienstKoordinierende Fachkräfte vermitteln Begleitungen, sind erreichbar und ordnen ein, wenn eine Situation dich überfordert. Ohne diese Anbindung sollte niemand arbeiten.
- Etwas Leises für lange StundenEin Buch, Handarbeit, Musik über Kopfhörer. Viele Besuche bestehen aus Dasein, ohne dass gesprochen wird, und das hält sich leichter aus, wenn du nichts erzwingen musst.
- Ein eigener Ort für danachEin Spaziergang, ein Anruf, ein Tagebuch. Wer direkt vom Sterbebett in den nächsten Termin springt, staut mit der Zeit einiges auf.
Typische Anfängerfehler
- Trösten wollen, wo nichts zu trösten ist. Sätze wie das wird schon oder jetzt hat er es hinter sich verschließen ein Gespräch; Schweigen und Dableiben ist fast immer die bessere Antwort.
- Die eigenen Vorstellungen vom guten Sterben mitbringen. Ob jemand reden, beten, schweigen oder über Fußball sprechen will, entscheidet er selbst, und auch Ablehnung an einem Tag ist eine Entscheidung, die zu respektieren ist.
- Belastung nicht ansprechen und Supervision auslassen. Wer schlecht schläft, gereizt ist oder Begleitungen vermeidet, sollte es sagen, bevor er unangekündigt wegbleibt und einen Menschen in den letzten Wochen ohne Begleitung zurücklässt.
Wie schnell du vorankommst
Der Vorbereitungskurs läuft über Monate und ist kein Formalismus, sondern der Teil, in dem die meisten für sich klären, ob sie das können. Die erste eigene Begleitung fühlt sich trotzdem unsicher an, meist wegen der Frage, was man sagen soll. Nach einigen Begleitungen wird der Umgang mit Stille selbstverständlicher. Die eigene Abgrenzung bleibt dauerhaft Thema, dafür gibt es Supervision.
Spielarten und Varianten
Ambulante Begleitung zu Hause
Besuche in der Wohnung des Menschen, oft über Wochen oder Monate. Nah, ruhig und stark auf die Familie bezogen, weil du dort zu Gast bist.
Begleitung im Heim oder Hospiz
Einsatz in einer Einrichtung mit Fachpersonal im Haus. Der Rahmen ist klarer, Ansprechpartner sind sofort erreichbar, und Begleitungen sind häufig kürzer.
Trauerbegleitung für Angehörige
Gesprächskreise und Einzelkontakte nach einem Todesfall. Andere Anforderung, andere Ausbildung, und für viele der Bereich, der über Jahre trägt.
Unterstützung im Hintergrund
Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Fahrdienste, Organisation von Veranstaltungen. Notwendig für jeden Dienst und ohne direkten Kontakt am Bett.
Wo du Anschluss findest
Ambulante Hospizdienste gibt es in nahezu jedem Landkreis, ebenso stationäre Hospize und Palliativstationen an größeren Kliniken. Der Weg führt immer über ein persönliches Vorgespräch, in dem Motivation, Lebenssituation und Zeitrahmen besprochen werden. Wer sich unsicher ist, kann bei vielen Diensten zunächst nur den Vorbereitungskurs besuchen und danach in Ruhe entscheiden.
Häufige Fragen zu Hospizbegleitung
Muss ich selbst schon jemanden verloren haben?
Nein, und eine frische eigene Trauer spricht eher dagegen. Die Dienste sprechen das im Vorgespräch offen an und raten manchmal, ein Jahr zu warten. Das ist keine Ablehnung, sondern Schutz für beide Seiten.
Was macht man während eines Besuchs?
Häufig sehr wenig Sichtbares: dasitzen, zuhören, vorlesen, Hand halten, wenn es gewünscht ist, ein Fenster öffnen. Manchmal geht es vor allem darum, dass Angehörige eine Stunde aus der Wohnung kommen.
Bin ich beim Sterben dabei?
Manchmal ja, oft nicht. Der Zeitpunkt lässt sich nicht planen, und viele Menschen sterben in einem Moment, in dem niemand im Raum ist. Wer ausdrücklich nicht dabei sein möchte, kann das sagen; darauf wird Rücksicht genommen.
Was gilt in Bezug auf Verschwiegenheit?
Alles, was du erfährst, bleibt beim Dienst. Schweigepflicht gilt gegenüber Nachbarn, Freunden und der eigenen Familie und endet nicht mit dem Tod des Menschen. Besprochen wird ausschließlich intern, in Supervision und mit der Koordination.
Wie viel Zeit muss ich einplanen?
Über die Kursphase hinweg regelmäßig, danach meist ein Besuch pro Woche plus Gruppentreffen und Supervision. Entscheidend ist weniger der Umfang als die Verlässlichkeit über den Zeitraum einer Begleitung.
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