Gedächtnistraining
Mit Merktechniken Namen, Zahlen und lange Listen zuverlässig behalten.
Worum es geht
Im Bereich Wissen & Denken zu Hause: Mit Merktechniken Namen, Zahlen und lange Listen zuverlässig behalten.
Gedächtnistraining ist im Kern eine Sammlung von Techniken, die Inhalte in eine Struktur bringen, an der sie sich festhalten. Statt eine Liste zu wiederholen, legst du die Begriffe an bekannte Orte, etwa entlang eines Weges durch deine Wohnung, und gehst diesen Weg später im Kopf ab.
Das fühlt sich zunächst umständlich an. Für zehn Begriffe erfindest du zehn übertriebene Bilder, was länger dauert als stumpfes Wiederholen. Nach einigen Durchgängen dreht sich das Verhältnis, weil die Bilder von allein kommen und die Reihenfolge mitgeliefert wird. Der Aha-Moment ist bei den meisten die erste Liste, die sie am nächsten Morgen noch vollständig aufsagen können.
Ehrlich bleiben muss man beim Nutzen. Die Techniken tun genau eines: Sie helfen, bestimmte Inhalte in einer bestimmten Struktur zu behalten, vor allem Listen, Namen, Zahlen und Vokabeln. Versprechen zu Intelligenz, zu geistiger Leistung im Alltag oder zum Vorbeugen von Erkrankungen machen wir hier ausdrücklich nicht, denn dafür geben die Techniken nichts her.
Für wen es passt
Das spricht dafür, dass Gedächtnistraining zu dir passt:
- Für systematische Lerner, die Struktur mögen und wirklich dranbleiben können.
Wann du lieber die Finger davon lässt – eher nichts für dich, wenn …
Wer sofort Erfolge sehen will, gibt vor der nötigen täglichen Wiederholung auf.
Steckbrief
Was es kostet
Praktisch null. Die verbreiteten Techniken sind seit Langem beschrieben und stehen in Bibliotheksbüchern und kostenlosen Anleitungen. Alles, was du zusätzlich brauchst, ist ein Zettel und eine Wohnung, die du gut kennst.
Keine. Zum Üben genügen selbst geschriebene Listen, Karteikarten und Alltagsmaterial wie Einkaufszettel oder Namen aus einer Besprechung. Kostenpflichtige Apps und Kurse sind möglich und nicht erforderlich.
Sogenannte Gehirnjogging-Abonnements versprechen viel und sind für diese Techniken nicht nötig. Ein Grundlagenbuch aus der Bibliothek und zehn Minuten Übung am Tag bringen dich weiter. Karteikarten schreibst du selbst, damit machst du zugleich den nützlichsten Teil der Arbeit.
So startest du
Dein Einstieg in drei Schritten:
- Die Loci-Methode an einem vertrauten Weg durch die Wohnung aufbauen
- Zehn Begriffe merken und sie am nächsten Tag abfragen lassen
- Danach ein Zahlensystem für Jahreszahlen ergänzen
Was du zum Einstieg brauchst
- Ein vertrauter Weg oder RaumDie Grundlage der Routentechnik. Zehn bis zwanzig feste Stationen in einer Wohnung, die du blind findest, tragen die ersten Monate.
- Ein GrundlagenbuchRoutentechnik, Zahlensysteme und Namensmerken in geordneter Reihenfolge. Die Techniken bauen aufeinander auf, und in dieser Reihenfolge lernt es sich schneller.
- Karteikarten oder ein WiederholungsprogrammMerktechniken bringen Inhalte hinein, die zeitlich gestaffelte Wiederholung hält sie dort. Ohne diesen zweiten Teil verblasst auch ein gut gebautes Bild.
- Ein Übungsheft mit ErgebnissenNotiere, wie viele Begriffe du behalten hast und was schiefging. Ohne diese Rückmeldung wiederholst du dieselben Fehler über Wochen.
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Typische Anfängerfehler
- Blasse, vernünftige Bilder verwenden. Was sich schlecht merken lässt, ist das Naheliegende; auffällige, übertriebene und bewegte Bilder bleiben deutlich zuverlässiger haften.
- Die Wiederholung weglassen. Eine Route hält den Inhalt nur für kurze Zeit; wer nicht nach einem Tag und nach einer Woche noch einmal abfragt, verliert den größten Teil wieder.
- Zu große Mengen auf einmal üben. Fünfzig Begriffe am ersten Abend führen zu Durcheinander auf der Route, während zehn Begriffe täglich in wenigen Wochen erstaunlich weit tragen.
Wie schnell du vorankommst
Die Routentechnik verstehst du in einer halben Stunde und behältst damit am selben Abend eine Liste von zehn Begriffen. Nach wenigen Wochen entstehen die Bilder schneller, und die Technik fühlt sich nicht mehr umständlich an. Zahlensysteme brauchen Monate, weil sie eine eigene Zuordnung verlangen. Was dauerhaft bleibt, hängt weniger an der Technik als an der Wiederholung.
Spielarten und Varianten
Routentechnik
Begriffe an feste Orte entlang eines bekannten Weges legen. Der Einstieg, mit dem fast alle beginnen, und für Listen und Reihenfolgen am nützlichsten.
Namen und Gesichter
Namen mit einem auffälligen Merkmal und einem Bild verknüpfen. Die im Alltag am unmittelbarsten brauchbare Anwendung und zugleich eine der schwierigsten.
Zahlen und Daten
Ziffern über ein festes System in Bilder übersetzen. Aufwendig im Aufbau, danach aber der Weg zu Telefonnummern, Jahreszahlen und Kartenreihenfolgen.
Wettbewerbe im Gedächtnissport
Feste Disziplinen unter Zeitdruck, von Zahlenreihen bis zu Spielkarten. Für die meisten uninteressant, für einige der Grund, überhaupt weiterzumachen.
Wo du Anschluss findest
Zum Lernen brauchst du niemanden, ein Buch und eine bekannte Wohnung genügen. Volkshochschulen bieten Kurse an, oft mit Übungen in der Gruppe, was das Abfragen leichter macht. Es gibt Vereine und Verbände für Gedächtnissport mit offenen Wettbewerben, bei denen Neulinge willkommen sind. Online finden sich Anleitungen und Trainingsprogramme, wobei selbst geschriebene Karteikarten und eine feste Route den meisten vollkommen ausreichen.
Häufige Fragen zu Gedächtnistraining
Habe ich einfach ein schlechtes Gedächtnis?
Die meisten, die das von sich sagen, haben nie eine Struktur benutzt, sondern nur wiederholt. Genau da setzen die Techniken an, und die Erfolge stellen sich bei fast allen schnell ein. Unterschiede zwischen Menschen gibt es, sie sind aber kleiner als der Unterschied zwischen Methode und keiner Methode.
Macht Gedächtnistraining insgesamt klüger?
Nein, und das behaupten wir hier ausdrücklich nicht. Was die Techniken nachweislich leisten, ist das Behalten von Inhalten in einer bestimmten Struktur, also Listen, Namen, Zahlen und Vokabeln. Eine allgemeine Steigerung geistiger Leistung oder ein Schutz vor Erkrankungen ist damit nicht verbunden.
Wie viel Zeit brauche ich am Tag?
Zehn Minuten reichen für stetigen Fortschritt, sofern sie täglich stattfinden. Wichtiger als die Dauer ist die Verteilung, weil Wiederholungen nach einem Tag und nach einer Woche den Unterschied machen. Lange Sitzungen am Wochenende bringen erfahrungsgemäß wenig.
Funktioniert das auch für Prüfungsstoff?
Für Aufzählungen, Fachbegriffe und Vokabeln gut, für Verständnisfragen nur begrenzt. Zusammenhänge muss man verstehen, und dabei helfen Merkbilder nicht. Sinnvoll ist die Kombination: verstehen, dann das strukturieren, was auswendig sitzen muss.
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