Fallschirmspringen
Aus dem Flugzeug in den freien Fall und dann sanft am Schirm zur Erde gleiten – ein Ausnahmegefühl von Kopf bis Fuß.
Worum es geht
Kurz gesagt: Aus dem Flugzeug in den freien Fall und dann sanft am Schirm zur Erde gleiten – ein Ausnahmegefühl von Kopf bis Fuß. Als Hobby aus dem Bereich Sport & Bewegung lässt es sich gut in den Alltag einbauen.
Fallschirmspringen hat die klarste Eintrittsregel von allen: Allein springt niemand ohne Ausbildung. Der übliche erste Kontakt ist ein Tandemsprung, bei dem du fest mit einer ausgebildeten Person verbunden bist und selbst nichts entscheiden musst. Alles darüber hinaus setzt eine formale Ausbildung an einer Sprungschule voraus, mit Theorie, Prüfung und Lizenz.
Der freie Fall dauert kürzer, als alle erwarten, und fühlt sich weniger nach Fallen an als nach sehr lautem Wind von unten. Der aufregende Teil liegt eher davor: die Minuten im steigenden Flugzeug, das Öffnen der Tür, der Moment am Rand. Nach der Öffnung wird es schlagartig still, und der Rest ist ruhiges Fliegen mit Aussicht.
Der Sport ist streng geregelt, und dafür gibt es gute Gründe. Ausrüstung wird geprüft und von befugten Personen gepackt, Sprünge werden dokumentiert, das Wetter entscheidet über den ganzen Tag. Wer sich darauf einlässt, verbringt am Platz mehr Zeit mit Warten als mit Springen und lernt dabei die Leute kennen, die den Betrieb tragen.
Für wen es passt
Besonders gut passt es zu dir, wenn du dich hier wiederfindest:
- Für Mutige, die den Nervenkitzel suchen, Regeln ernst nehmen und dem intensiven Moment des freien Falls entgegenfiebern.
Und ehrlich gesagt: eher nichts für dich, wenn …
Wer Höhenangst hat, Herz-Kreislauf-Probleme mitbringt oder die hohen Kosten pro Sprung nicht dauerhaft tragen kann.
Steckbrief
Was es kostet
Ein Tandemsprung liegt im mittleren dreistelligen Bereich und ist einmalig. Die Ausbildung zur eigenen Lizenz kostet ein Vielfaches davon, weil sie aus vielen einzelnen Sprüngen mit Betreuung besteht. Ausrüstung wird während der Ausbildung gestellt.
Jeder Sprung kostet ein Ticket für den Flug, dazu kommen Vereinsbeitrag und Versicherung. Eigene Ausrüstung ist eine größere Anschaffung, die sich erst nach vielen Sprüngen rechnet, und sie braucht regelmäßige Prüfung und Wartung. Reisen zu Sprungplätzen mit besserem Wetter sind ein eigener Posten.
Mach die Ausbildung dort, wo du regelmäßig hinkommst, denn Sprünge in kurzen Abständen sparen Wiederholungen. Vereine sind meist deutlich günstiger als kommerzielle Anbieter und leihen Ausrüstung länger. Und plane für die Ausbildung Zeitpuffer ein, weil ein verregnetes Wochenende sonst zusätzliche Fahrten erzwingt.
So startest du
So startest du am besten:
- Einen Tandemsprung als Einstieg buchen und die Erfahrung ohne eigene Ausbildung machen
- Bei Gefallen die Ausbildung zum eigenständigen Springen an einer Fallschirmschule beginnen
- Auf gute körperliche Verfassung und ehrliche Selbsteinschätzung achten
Was du zum Einstieg brauchst
- Das Sprungsystem mit Haupt- und ReservefallschirmDer Kern der Ausrüstung, in der Ausbildung immer gestellt. Der Reserveschirm wird in festen Abständen von befugten Personen geprüft und gepackt, unabhängig davon, ob er benutzt wurde.
- HöhenmesserDie Höhe lässt sich im freien Fall nicht zuverlässig schätzen. Deshalb gehört ein gut ablesbarer Höhenmesser zur Grundausstattung, in der Ausbildung ergänzt um akustische Geräte.
- Helm und SchutzbrilleDer Fahrtwind macht Sehen ohne Brille unmöglich, und der Helm schützt bei Ausstieg und Landung. Beides ist Standard und keine Frage der Vorliebe.
- Sprungoverall und feste SchuheDer Overall beeinflusst die Fluglage und schützt bei rauen Landungen. Schuhe ohne Haken oder Ösen sind wichtig, damit sich nichts in Leinen verfängt.
Typische Anfängerfehler
- Die Ausbildung in ein einziges Urlaubswochenende pressen wollen. Das Wetter bestimmt den Ablauf, nicht der Kalender, und wer unter Zeitdruck springt, trifft Entscheidungen, die er sonst nicht träfe.
- Die Landung unterschätzen. Der Anflug ist der Abschnitt, in dem die meisten Verletzungen im Sport passieren, und die Einteilung des Landeanflugs will genauso geübt sein wie der freie Fall.
- Zu früh eigene Ausrüstung mit kleiner Kappe kaufen, weil erfahrene Leute so etwas fliegen. Eine zu klein gewählte Kappe verzeiht keine Fehler und ist der klassische Weg in eine harte Landung.
Wie schnell du vorankommst
Der Tandemsprung braucht eine kurze Einweisung und sonst nichts. Die eigene Ausbildung beginnt mit Theorie und Notverfahren, danach folgen betreute Sprünge mit steigender Eigenverantwortung. Bis zur Lizenz ist eine festgelegte Zahl an Sprüngen und bestandenen Prüfungen nötig, und wie lange das dauert, hängt fast ausschließlich vom Wetter ab. Danach beginnt das eigentliche Lernen, etwa Fluglage und Kappensteuerung.
Spielarten und Varianten
Tandemsprung
Der Einstieg ohne Vorkenntnisse, gemeinsam mit einer ausgebildeten Person. Für viele bleibt es dabei, und das ist völlig in Ordnung.
Ausbildung zur eigenen Lizenz
Betreute Einzelsprünge mit Theorie, Notverfahren und Prüfungen. Der einzige Weg, um später selbstständig zu springen.
Formationsspringen
Mehrere Springende bilden im freien Fall gemeinsam Figuren. Verlangt genaue Absprache am Boden und viel Übung in der Fluglage.
Kappenfliegen
Die Arbeit mit dem geöffneten Schirm, von präzisen Landungen bis zu sportlichen Anflügen. Ein eigener Bereich mit eigener Ausbildung, weil hier die meisten schweren Zwischenfälle passieren.
Wo du Anschluss findest
Sprungplätze mit Vereinen und Sprungschulen gibt es in ganz Deutschland, meist an kleineren Flugplätzen. Tandemsprünge werden dort ohne Vorkenntnisse angeboten, in der Regel mit Anmeldung und wetterabhängigem Termin. Für die Ausbildung lohnt sich ein Platz in erreichbarer Nähe mehr als der schönste weit entfernte. Ein Besuch an einem Sprungtag, einfach zum Zuschauen und Fragen, ist überall willkommen und der beste erste Schritt.
Häufige Fragen zu Fallschirmspringen
Wie gefährlich ist Fallschirmspringen?
Das Risiko ist real, wird aber durch Regeln, geprüfte Ausrüstung und Ausbildung eng eingegrenzt. Zwischenfälle gehen überwiegend auf menschliche Entscheidungen zurück, etwa auf Springen bei ungeeignetem Wetter oder auf eine zu ambitionierte Kappenwahl. Tandemsprünge mit ausgebildeten Personen gelten als der am besten kontrollierte Teil des Sports.
Muss ich gesundheitlich etwas nachweisen?
In der Regel ja, für die eigene Ausbildung ist eine ärztliche Bescheinigung üblich. Auch für Tandemsprünge gibt es Vorgaben, etwa zum Gewicht, und bestimmte Vorerkrankungen schließen die Teilnahme aus. Was genau gilt, sagt dir die Sprungschule vorab, und dort sollte man ehrlich antworten.
Kann ich einmal springen, ohne eine Ausbildung zu machen?
Ja, genau dafür gibt es den Tandemsprung. Eine kurze Einweisung reicht, den Rest übernimmt die Person, an der du hängst. Einen Sprung mit eigenem Schirm ohne Ausbildung gibt es dagegen nicht, und kein seriöser Platz wird dir das anbieten.
Wie lange dauert die Ausbildung?
Das hängt fast vollständig vom Wetter ab. Rein rechnerisch sind es wenige Wochen, praktisch ziehen sich viele Ausbildungen über eine ganze Saison, weil Wind, Wolken und Termine nicht zusammenpassen. Wer Urlaub am Platz verbringt, kommt schneller voran.
Was ist mit Höhenangst?
Erstaunlich oft kein Hindernis. Höhenangst hängt meist an der Verbindung zum Boden, etwa auf einem Turm oder einer Leiter, und die fehlt im Flugzeug völlig. Viele Menschen mit ausgeprägter Höhenangst springen problemlos, während ihnen ein Balkon unangenehm bleibt.
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